Don't do this at home...
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Thema: Don't do this at home...

  1. #1

    Standard Don't try this at home...

    Ephazim landete auf einem nahegelegenen Geröllberg, der ihm als geradezu ideales Versteck erschien. Es war kaum möglich, ihn zu erklettern, und schon gar nicht bei Dunkelheit. Er würde hier völlig ungestört sein.
    Leise pfeifend begann er, ein Heptagramm in den Stein zu ritzen. In der Eile hatte er nicht die Möglichkeit gehabt, die exakten Paraphernalia zu besorgen, aber man konnte auch durchaus mit Äquivalenten arbeiten. Statt Drachenaugen (die man ohnehin nicht bekommen konnte), verwendete man beispielsweise die von Krokodilen oder anderen Echsentieren.
    Sein Ritual erforderte Haare von einer Jungfrau. An und für sich war damit das Haar einer weiblichen Jungfrau gemeint, aber er selbst...nun ja. Seufzend riss er sich ein Büschel aus, und drapierte es in der Mitte seines magischen Zirkels. Spinnentränen, Rattenkot, die Zunge eines Singvogels, das alles hatte er. Und natürlich das Wichtigste. Blut eines Geweihten. Zwar war es nicht mehr ganz frisch, und schon mal für eine Beschwörung gebraucht worden, aber dank einiger Tropfen Alkohol war es noch immer flüssig. Es würde genügen. Es musste einfach genügen.

    „Unter dem Banner der unheiligen Dreizehn, bei Arethestil und Naihamoth, rufe ich dich bei drei wahren Namen! Seelentrinker! Schattenritter! Lord des Chaos! Komm herbei!“, schleuderte Ephazim mit kraftvoller Stimme den Sternen des Nachthimmels entgegen. „Komm, und siehe mein Opfer. Ich bringe dir zum Gefallen das Blut eines Geweihten, Haare einer Jungfrau, Spinnentränen, Rattenkot und die Zunge eines Singvogels!“
    Die natürlichen Geräusche der Nacht um ihn herum verstummten, und nur das klagende Heulen eiskalten Windes zerriss die Stille. „Unter dem Bann der unheiligen Dreizehn, bei Khezzaroth und Hor..“ Seine Stimme erstarb, als sich plötzlich genau im Zentrum seines Heptagrammes ein Riss in dem steinernen Untergrund bildete. Grelles, weißes Licht strahlte scharf daraus hervor, bis weit hinauf in den nachtschwarzen Himmel.
    Das unheimliche Heulen des Windes umtoste den Gipfel noch lauter, und drückte ihn zu Boden. Mit den Händen tastend kroch er rückwärts auf den Rand des Plateaus zu. Als er es erreicht hatte, hielt er sich mit einer Hand umherwirbelte Haarsträhnen aus den Augen, und schirmte seinen Blick gleichzeitig mit der anderen vor dem gleißenden Licht ab. Sein Herz klopfte wild.
    Die Paraphernalia wurden klappernd und schlürfend in das Loch gesaugt. Sekundenlang geschah überhaupt nichts, und dann spie das Loch die Zauberdinge in hohem Bogen wieder aus. Mit eingezogenem Kopf duckte sich Ephazim unter einem Hagel von Tiegelchen, Phiolen und deren Inhalt weg, und blinzelte dann gebannt auf die Öffnung. Ein schrilles Kreischen schallte, vom Echo des Berges verstärkt, durch die Luft, und dann schloss sich das Loch ebenso überraschend, wie es aufgetaucht war. Der Wind verstummte schlagartig, und die Sterne leuchteten in gewohnt beruhigendem Licht auf den zitternden Gelehrten hinab. Nach und nach setzten auch die normalen Nachtgeräusche wieder ein. Irgendwo zwitscherte ein verwirrter Vogel viel zu früh sein Morgenlied.
    Erleichtert atmete Ephazim auf. „Das hätte ins Auge gehen können.“, murmelte er im Selbstgespräch, und beugte sich über das Schlachtfeld von verschütteten und zerkrümelten Paraphernalia.
    Plötzlich zerriss ein heftiger Donnerschlag den gerade erst wieder eingekehrten Frieden. Entsetzt wirbelte Ephazim herum, und blickte zu Tode erschrocken in die glühend roten Augen des Irrhalken!
    Auf dem Rücken der Bestie thronte der Schattenritter. „Du hast mich gerufen?“, tönte die Stimme des Dämons metallisch hohl und grabeskalt unter der Kapuze des Leichentuch-Umhanges hervor.
    Völlig verdattert richtete sich der Gelehrte auf. „Äh...ja.“ Innerlich schalt er sich selbst für seine Feigheit, und riss sich zusammen. „Das war ich!“, rief er mit etwas mehr Selbstbewusstsein. „Ephazim Al'Retep. Großmeister der Dämonologie, Beherrscher von Welten.“
    Der Dämon neigte den Kopf zur Seite. Ein widerliches, schlürfendes Geräusch drang unter dem schwarzen Stoff hervor. Der Seelentrinker kicherte.
    „Beherrscher von Welten?“, wiederholte er. Es klang fast belustigt. „Zukünftiger Beherrscher.“, korrigierte Ephazim rasch. „Mit Eurer Hilfe, mein Lord.“ Der Schattenritter trieb seinem schrecklichen Schlachtross die Fersen in die Seiten, und das Untier stampfte einen zornigen Schritt nach vorn. Ephazim hielt angewidert den Atem an. Der Gestank des leichenfressenden Monsters war ekelerregend.
    „Nun, du hast mich hierhergerufen.“, dröhnte der Dämon. „Nun sag welchen Dienst ich dir erweisen soll.“ Vor Aufregung trat der Gelehrte von einem Fuß auf den anderen. „Trinke die Zauberkraft aller Magiebegabten im Umkreis von fünf Meilen, und bringe sie hierher zu mir.“, befahl er.
    „Weiter nichts?“, fragte die dumpfe Grabesstimme aus der Leere unter der Kapuze. „Nein, das wäre alles.“, gab Ephazim zurück. Doch dann fügte er hastig hinzu: „Vorläufig zumindest.“
    Der Schattenritter verneigte sich leicht. „Ich höre und gehorche, mein Gebieter.“
    Mit diesen Worten zwang er den widerspenstig kreischenden Irrhalken zu einer Kehrtwende und trieb ihn über den Abgrund. Mitten durch die Luft galoppierten die beiden finsteren Schemen, bis die Dunkelheit sie wenig später vollends verschluckte.
    Zum zweiten Mal an diesem Abend atmete Ephazim auf. Als ihm nach einigen Minuten langsam bewusst wurde, dass er nun unmittelbar vor dem Ziel all seiner Träume stand, begann er vergnügt, auf dem Gipfel des Geröllberges herumzuhüpfen. Er riss die Arme hoch und brüllte in die Ferne: „Ephazim Al'Retep, neuer Herrscher von Saliath!“ Wie herrlich das klang...
    Ein seltsames Geräusch lenkte ihn von seinem Freudentaumel ab. Hufklappern. Der Dämon kehrte zurück. „So schnell schon?“, murmelte er verwundert, und straffte sich; bereit, den Lohn seiner Mühen entgegenzunehmen.
    Der Seelentrinker verhielt den Irrhalken nur wenige Zoll von Ephazims Gesicht entfernt. Zitternd versuchte dieser, nicht in die Lichtlosigkeit des Kapuzenumhanges oder die roten Kohlenglutaugen des seelenlosen Reittieres zu blicken. Der Irrhalken schnaubte ihm eine Wolke miasmatischen Gestankes ins Gesicht.
    Das letzte, was Ephazim im Leben hörte, waren die spöttischen Worte des Schattenritters: „Auch du bist ein Magiebegabter, und du befindest dich innerhalb des Radius', den du mir auszutrinken befohlen hast!“ Unter entsetzlichem Lachen hob er seine Seelenpeitsche und hieb wieder und wieder auf den Körper des wehrlosen Gelehrten ein.
    Geändert von Janeela (19.08.05 um 12:32 Uhr)
    Janeela Venka Fayah Sheamus Indeenay Viviel Yaneela Ianeela Hownie - nur Lim/Alb

  2. #2
    Mitglied Avatar von Bajan
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    Aug 2005
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    Infiltrator

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    wenn es von dir ist:wow! mag deinen schreibstil ja schon in deinen postings! bitte mehr davon!
    Bajan - Infiltrator
    Bajans - Paladin
    Bajaan - Zauberer
    Latenight - Minnesänger

    nix davon aktiv

  3. #3

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    ja, das ist von mir. es ist ein auszug aus einer längeren geschichte, zu der auch der ausschnitt "jaja die zwerge" gehört. die gesamte geschichte hier zu posten würde leider den rahmen sprengen, aber vielleicht finde ich ja doch noch den einen oder anderen abschnitt, der sich als kurzgeschichte eignet wie diese zwei hier.
    Janeela Venka Fayah Sheamus Indeenay Viviel Yaneela Ianeela Hownie - nur Lim/Alb

  4. #4

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    Und wie kommt man an die gesamte Geschichte ran? Muß man Deinen Rechner hacken oder geht es irgendwie anders?

  5. #5

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    Falls sich der Ueberreuter Verlag doch irgendwann entschließen sollte, sie zu veröffentlichen (Verhandlungen laufen seit 2 Jahren), kann man sie vielleicht eines Tages kaufen
    Aber ich schick auch gerne Interessierten eine Email.
    Nur dann muss ich die Warnung aussprechen: die ungekürzte Fassung hat 1.476.417 Zeichen - also 317 DIN A4 Seiten. Das ist auf dem PC extrem anstrengend zu lesen, Ausdrucken ist teuer - und die gekürzten Versionen sind noch nicht fertig überarbeitet, und werden es auch nicht, solange mir der Verlag nicht sagt, was ich genau tun soll.
    Janeela Venka Fayah Sheamus Indeenay Viviel Yaneela Ianeela Hownie - nur Lim/Alb

  6. #6

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    Joah .. auch von mir ein /Clap

    Schon mal mit RoC (ShadowRun/Classic BattleTech)versucht oder eher der eigenen Fantasy geschichten treu ?

    Ansonnsten muß ich mal nachschauen , aber ich glaub irgendwo in den RoC büchern stand mal das sie noch Nachwuchs Schriftsteller suchen

    Bzw ... schon mal an "Größere" Verlagshäuser gedacht ?
    Überreuter sagt mir nix

  7. #7

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    Das Problem mit Pen&Paper basierenden Geschichten ist, dass man sich mit dem Welt-Hintergrund schon ziemlich gut auskennen sollte. Bei den genannten kenne ich mich leider überhaupt nicht aus. Und ein Technik-Experte bin ich leider auch nicht, also würde ich wohl eher für unfreiwillige Lacher sorgen, wenn ich mir irgendwelche Sci-Fi-Gerätschaften und deren Funktionsweise ausdenken würde.

    Und ja, ich hab tatsächlich schon viele große Verlage angeschrieben. Leider riskieren die meisten nichts, sondern kaufen lieber Geschichten aus dem Ausland, die dort schon erfolgreich vermarktet wurden - oder natürlich von namhaften Schriftstellern.
    Ueberreuter ist der Stammverlag von Wolfgang Hohlbein und Ausrichter des höchst dotierten Fantasynachwuchs-Preises http://www.hohlbein.at/hohlbein/fantasy/price/index.php
    an dem ich auch teilgenommen habe. Ich kam wohl unter die besten 20, aber für eine Veröffentlichung im Rahmen der "Meister der Fantasy" (Plätze 1-5 oder so) hats leider nicht gereicht.
    Bei den anderen Verlagen, die Fantasy veröffentlichen, wie Bastei, Rowohlt, Goldmann, Heyne, Klett-Cotta und Thienemann gabs nur Standard-Absagen. Man braucht vermutlich als unbekannter Autor Vitamin B oder einen Riesenhaufen Glück. Nächstes Jahr werde ich aber wieder mitmachen - diesmal mit einer kürzeren Geschichte
    Janeela Venka Fayah Sheamus Indeenay Viviel Yaneela Ianeela Hownie - nur Lim/Alb

  8. #8

    Standard

    Hmmm ...
    Nimm doch einfach mal beim Nächsten Wettbewerb ne Reppetier Armbrust mit und sag , du versuchst dich dieses Jahr wenn wieder nicht klappt als Willhelm Tell
    Und die Jury darf raten wer den kleinen Mazz mit dem Apfel Spielt

    PS: Gut kommts wenn du denen erstmal einen Apfel im Vorfeld überreichst und DANACH mit der Armbrust kommst ^^

  9. #9

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    du weißt doch, gewalt ist keine lösung^^ außerdem würde ich mir im echten leben mit einer repetierarmbrust vermutlich ein drittes nasenloch schießen
    Janeela Venka Fayah Sheamus Indeenay Viviel Yaneela Ianeela Hownie - nur Lim/Alb

  10. #10

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    sehr nett geschrieben, diese und die andere geschichte auch- die originale bzw. komplettversionen würden mich intressieren.

  11. #11

    Standard

    Ich bin ja absoluter Fantasy Fan - kenn mich daher auch bisschen aus.. und muss sagen dein Schreibstil ist super! Die Geschichte hat mir sehr gefallen - falls du mal zeit hast würd ich mich über einen längeren Teil freuen.
    Daoc:
    Saviour rr11 pala - inaktiv und an alte zeiten denkend

    Alles andere auch inaktiv, weil suckt! :/

  12. #12

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    hm...ich kann mich irgendwie nicht entscheiden...was wollt ihr hören? action? liebe? intrigen? mehr über zwerge? hilfe...
    Janeela Venka Fayah Sheamus Indeenay Viviel Yaneela Ianeela Hownie - nur Lim/Alb

  13. #13
    Mitglied Avatar von Nannami
    Registriert seit
    Aug 2005
    Ort
    Waldläuferin

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    Jede gute geschichte brauch ein bissel oder bissel viel Romantik ... ich bin leidenschaftliche DSA-Bücher Leserin und was ich da gelegentlich von Wolfgang Hohlbein, Uschi Zietsch oder Andreas B. lese, sind einfach nur toll geschriebene Storys. Wenn man es dann noch schafft an bedrückenden stellen mir tränen in die Augen fliessen zu lassen - kommt das Buch in meinem Schrank *gg*
    Wer selbst fünfzig Schritte geflohen ist,
    lache nicht über den,
    der hundert Schritte flieht.

  14. #14

    Standard

    zwerge zwerge zwerge <mit Hand rumfuchtel>

    Echt nett geschrieben, auch wenns etwas düster klingt
    Mousepad, Meuchelmouse, Prejun, Redshift, Glowworm, Mousequito uvm.

  15. #15

    Standard

    den *hust* nicht ganz jugendfreien Teil habe ich mir dann erlaubt zu kürzen...ein bisschen "Liebe" - oder sowas ähnliches - und bedauerlicherweise ziemlich wenig Zwerge, aber dafür ein guter Kampf. Gehört zu meinen Lieblingspassagen. Ein bisschen länger diesmal, aber es scheinen ja welche Spaß dran zu finden.

    Ungraf - Kampfmagier und nach Khars Tod Oberbefehlshaber der Orkland-Offensive
    Rauhwulf - ein Krieger und guter Freund von Janeelas Vater Khar; überlebte als einziger die Schlacht, in der dieser fiel, verlor dabei allerdings einen Arm
    Einark - ein Geweihter der Wintergottheit Beathan, mit dem Ungraf, Rauhwulf und Janeela in Streit über die Durchführung der Offensive gerieten.
    Handlungsort: Das Orkland, nach mehrwöchiger erfolgloser Suche nach dem Feind.


    Am späten Abend begab sie sich in Ungrafs Zelt. Der Zauberer war in einem erbärmlichen Zustand. Ein junger Soldat tupfte ihm unaufhörlich den Schweiß von der Stirn. Als Janeela eintrat, ging er schweigend. Offensichtlich war er eingeweiht.
    Janeela streichelte ihrem alten Freund sanft über die Wangen. „Armer Ungraf. Wenn ich nur wüsste, was mit dir los ist. Dann müsste das hier alles jetzt nicht sein.“
    Sie stand auf, und durchwühlte seine Packtaschen. Natürlich hatte er Pergament und Schreibzeug dabei. Einige Minuten lang starrte sie auf das Blatt, ehe sie den Mut fand, anzufangen.
    Als sie fertig war, ging sie zurück zum Bett.
    „Ungraf?“ Sie schüttelte ihn sanft an der Schulter. „Ungraf? Bitte wach auf! Komm doch zu dir, nur für einen Moment!“, bettelte sie.
    Ungraf schlug die Augen auf und starrte sie an: „Janeela?“, röchelte er. Den Göttern sei Dank, er erkannte sie!
    „Ungraf, ich flehe dich an, bitte unterschreib das hier.“ Sie hielt ihm den Zettel unter die Nase. „Unterschreiben?“, wiederholte er angestrengt. „Was unterschreiben?“
    „Das hier.“ Sie nahm seine Hand und umschloss mit ihr das Papier. „Bitte. Es ist sehr wichtig.“
    Er versuchte, sich aufzurichten: „Was...steht drauf?“, wisperte er heiser.
    „Dass ich deine Vertretung sein soll, solange du krank bist.“ Sie kam sich unsagbar mies vor.
    Erschöpft ließ er seinen Kopf in das Kissen zurücksinken. Eine Zeitlang regte er sich nicht mehr, und die Halbelfe dachte schon, er sei wieder eingeschlafen. Doch dann hob er kraftlos seine leere Hand und hauchte: „Feder.“
    Sie sprang auf und holte ihm, wonach er verlangte; nicht ohne die Feder noch in die Tinte zu tauchen und sorgfältig abtropfen zu lassen.
    „Hilf mir.“, presste er hervor, und hob den Kopf erneut an. Janeela beeilte sich, ihm unter den Nacken zu greifen, und ihn beim Aufrichten abzustützen. Ungraf setzte den Stift an und unterschrieb mit krakeligen Buchstaben.
    Prüfend betrachtete sie das Pergament. Wenn Einark Zweifel an dessen Echtheit bekunden wollte, dann würde er sich sicher an der seltsamen Unterschrift aufhängen. Und dass Ungraf den vorherigen Text nicht selbst geschrieben hatte, sah man ohnehin.
    „Ungraf, du musst dein Siegel darunter setzen.“, verlangte sie, und hätte sich selbst schlagen mögen, weil sie den todkranken Mann derartig unter Druck setzte.
    Er gab keine Antwort. Nach einer Weile hörte sie ihn schnarchen. Bildete sie es sich ein, oder wirkte der Zauberer entspannter? Eigentlich hatte er bereits unterschrieben, also wäre es keine Fälschung, wenn sie sein Siegel darunter setzen würde. Entschlossen durchwühlte sie seine Tasche erneut. Ungraf benutzte dunkelblauen Siegellack, und er hatte zum Glück noch einen Stumpen dabei. Eilig begann die Halbelfe, es über einer Kerzenflamme zu erhitzen.
    Sie ließ es noch ein wenig antrocknen, und führte dann Ungrafs Hand mit dem Siegelring zum Pergament. „Mögen die Götter mir verzeihen.“, stieß sie hervor und drückte den Ring in den Lack.
    Bevor sie ging, gab sie Ungraf noch einen Kuss auf die Stirn.
    Der junge Soldat hatte draußen gewartet, und schaute sie fragend an. Doch Janeela antwortete nicht, sondern eilte mit gesenktem, beschämtem Blick an ihm vorbei in ihr eigenes Zelt.
    Rauhwulf saß dort und wartete. Normalerweise mochte sie es nicht, wenn einer der Männer ihr Zelt betrat, und schon gar nicht, wenn es in ihrer Abwesenheit geschah. Aber diesmal war sie einfach nur froh, ihn zu sehen, und störte sich nicht daran. Als sie hereinkam, stand er auf, und nahm sie in den Arm. „Hast du es geschafft?“ Sie hob die Hand mit dem Pergament und schluchzte: „Ich fühle mich wie ein Schwein!“ - „Ich weiß, wie dir zumute sein muss.“ Er tätschelte ihr beruhigend den Rücken. „Mir ist auch ganz schlecht, aber glaub mir, es ist besser so.“
    Janeela lehnte sich dankbar an seine Brust und seufzte: „Im Trösten bist du wirklich der Beste, Rauhwulf.“
    Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Soll ich noch hierbleiben?“ Sie hob den Kopf und schaute ihn an. „Vielleicht. Noch ein paar Minuten.“
    Der große Krieger setzte sich auf ihre Schlafmatte und die schmale Halbelfe rollte sich neben ihm zusammen, und bettete den Kopf in seinen Schoß. Er schlang die Decke um sie und begann, ihr die Haare zu streicheln. „Meine tapfere kleine Janeela.“ sagte er mit einem Ton, wie man ein kleines Kind beruhigen würde. „So jung und schon so weit gekommen. Jetzt bist du nicht nur die erste Frau im Heer, sondern auch noch die Oberbefehlshaberin der ersten Orklandoffensive und befehligst über vierhundert Mann. Ich bin stolz auf dich!“ Er fing an, ihr zart die verspannte Schulter zu massieren.
    „Es ist mir noch gar nicht wirklich bewusst, was es bedeutet, diese Männer zu befehligen. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich dieser Aufgabe gewachsen bin.“ Sie lag wie betäubt da, und umklammerte sein Knie. Rauhwulf schob ihre Haare aus dem Nacken, um diesen besser erreichen zu können, und knetete vorsichtig den Hals und die eine Schulter, die er in dieser Position erreichen konnte. „Die Männer vertrauen dir jedenfalls. Sonst hätte Ludgar nicht dich darum gebeten, sondern einen der anderen Offiziere.“
    Janeela drehte sich auf den Bauch, damit er auch die andere Schulter massieren konnte. „Ich weiß das schon,“ murmelte sie ein wenig erstickt, weil sie ja mit dem Gesicht nach unten lag. „Aber wer sagt denn, dass er es nicht schon bei den anderen versucht hat, und ich bin die einzige, die auf seinen verrückten Vorschlag eingegangen ist.“ Mit sanften Bewegungen begann er, ihren Rücken zu bearbeiten. „Ich sage das, weil ich die anderen Männer kenne. Keiner von denen hätte auch nur eine Sekunde gezögert, sich diese Chance entgehen zu lassen. Die sind doch alle begierig auf einen solchen Karriereschub. Und du bist die einzige, die es nur wegen der Sache getan hat, nicht wegen dem Ruhm. Ludgar und die anderen Soldaten haben schon die richtige Wahl getroffen.“ Mit geschickten Fingern zog er ihr dickes Lederhemd nach oben, das den Effekt seiner Massage schwächte.
    „Ach, wahrscheinlich habe ich einfach nur Angst, dass ich versage.“ versuchte sie sich selbst zu beruhigen. „Du machst das übrigens sehr gut.“ Sie räkelte sich neben ihm. „Mehr zwischen den Schulterblättern bitte, da ist es besonders schlimm.“
    Rauhwulf entgegnete: „Da komme ich aber nicht dran. Dein Hemd ist im Weg.“
    Die Halbelfe schob den Oberkörper nach oben, bis sie unter sich greifen konnte und zog das Hemd über den Kopf. Mit den Händen noch in den Ärmeln schob sie das verknäuelte Lederoberteil vor sich und fragte: „So besser?“ Rauhwulfs starke Hand glitt statt einer Antwort hinauf zwischen ihre Schulterblätter und tat dort ihr heilendes Werk.
    Janeela seufzte vor Wohligkeit: „Du glaubst gar nicht, wie gut das tut. Schade, dass du nicht hundert Hände hast!“
    Rauhwulf beugte sich über sie und flüsterte ihr ins Ohr: „In solchen Momenten vermisse ich meinen zweiten Arm fast noch mehr als im Kampf.“
    Schnell wurschtelte sie sich aus dem Hemd, das sie an der Bewegung hinderte, drehte sich um und schaute ihm erschrocken in die Augen: „Rauhwulf, es tut mir leid, so habe ich es nicht gemeint!“
    Rauhwulf antwortete nicht, sondern schaute verlegen auf seine linke Hand. Er wurde rot. Janeela folgte seinem Blick und bemerkte, dass sie auf ihrer Brust lag, weil sie sich so schnell umgedreht hatte, dass er praktisch an ihrem Oberkörper langgerutscht war. Rauhwulf schaute ihre Brust an - und Janeela wurde es plötzlich heiß.
    Er richtete seinen Blick wieder auf ihr Gesicht, aber er nahm die Hand nicht weg. Er wartete wohl, dass sie etwas sagen oder tun würde, aber sie war so durcheinander, dass sie nichts dergleichen unternahm. Ohne den Blick von ihren Augen zu wenden, umschloss er ihre Brust und fing an, sie zärtlich zu kneten. Janeela zitterte. Sie wusste immer noch nicht, was sie tun sollte, also tat sie gar nichts. Verkrampft lag sie da, und wartete, was geschehen würde. Das Schweigen zwischen ihnen knisterte.
    Rauhwulfs Gesicht kam ihrem immer näher, während seine Hand unablässig weiter über ihren Oberkörper glitt. „Das habe ich mir schon so oft gewünscht.“, flüsterte er heiser. Das Blut rauschte in ihren Ohren, als er sie küsste.
    Obwohl sie kaum wusste, wie ihr geschah, erwiderte sie den Kuss und auch wenn sie nicht sicher war, ob das hier eine besonders gute Idee wäre, spürte sie doch das Verlangen. Ihre Hände hoben sich fast automatisch, um auch ihn zu streicheln und sein Hemd auszuziehen. Rauhwulf stöhnte leise auf, als er spürte, dass sie entschieden hatte, ihn nicht abzuweisen.
    Als es vorbei war, ließ der muskulöse Krieger von ihr ab, und zog sie in seinen Arm. „Ich liebe dich“, flüsterte er. „Ich bin verrückt nach dir.“
    Mit weit aufgerissenen Augen lag Janeela auf seiner Schulter und starrte in die Dunkelheit. Was hatte sie nur angerichtet!
    Nachdem er sie noch einige Minuten lang gestreichelt hatte, fing Rauhwulf leise an zu schnarchen, aber die Halbelfe lag noch lange wach. Jetzt hatte sie nicht nur das Kommando über die erste aggressive Truppe seit Menschengedenken, 400 Mann, auf fremdem Terrain, nein, sie musste sich auch noch einen Mann an den Hals hängen, der sich jetzt für ihren Liebhaber hielt. Was sollte sie nur tun? Warum schaffte ausgerechnet sie es immer, sich in solche Schwierigkeiten zu manövrieren? Wie sollte sie das alles nur durchstehen? Sie wünschte sich, sie könnte einfach in einem Loch im Boden versinken.
    Irgendwann war sie wohl doch eingeschlafen, aber sie träumte grauenvolles Zeug, von unsichtbaren Orks und von Einark, der sie verfluchte, und von Rauhwulf, der sie nackt an einem Halsband durch das Lager führte und mit Levelliens Stimme sprach. Entsetzt keuchend fuhr sie hoch.
    Draußen regten sich schon die ersten Soldaten, und dann kam auf einmal ein Tumult auf. Ihr Zelteingang wurde beiseite gerissen und Hern stürzte herein: „Es ist etwas Schreckliches geschehen, Herrin! Du musst sofort kommen!“ Sie und Rauhwulf wühlten sich aus den Decken und Hern versteinerte auf der Stelle. Seine Augen wurden riesengroß und er machte auf dem Absatz kehrt aus dem Zelt heraus. „Verdammt!“ fluchte Janeela und schwang die Decke zur Seite. Rauhwulf zog sie zurück. „So schlimm ist es nun auch wieder nicht.“ Er küsste sie in den Nacken, aber sie schüttelte ihn ab und schnappte: „Aber so schnell hätte es auch nicht passieren müssen!“ Er ließ sich seufzend nach hinten sinken und kuschelte sich wieder in die Decken.
    „Willst du nicht wissen, was passiert ist?“ fragte die Halbelfe irritiert, während sie in ihre Hosen glitt. „Doch sicher“, räumte er ein. „Aber soll ich jetzt wirklich allen Ernstes mit dir zusammen aus diesem Zelt treten und mein Hemd zuknöpfen?“ Er grinste.
    Statt einer Antwort warf sie ihm das Kissen an den Kopf und rannte ins Freie.
    Es war nicht schwer herauszufinden, wo sich etwas abgespielt haben musste, denn alles was Beine hatte, bewegte sich auf Ungrafs Zelt zu, vor dem sich anscheinend schon das halbe Lager versammelt hatte.
    Die Soldaten tuschelten untereinander, und die die schon ein wenig länger hier standen, erklärten flüsternd den Neuankömmlingen, dass sie auch nicht so genau wüssten, was los ist, aber dass Einark jetzt allein mit dem Zauberer da drin sei.
    Nach Minuten qualvollen Wartens wurde das Leinen des Einganges beiseite geschlagen und der Geweihte trat heraus. „Ungraf ist tot.“ verkündete er schlicht. Seine Miene zeigte keine Regung.
    Aufregung machte sich in den Reihen breit, und die Männer begannen wild zu tuscheln und zu zischeln.
    Einark wartete eine Zeitlang, bis sie das Gehörte grob verdaut hatten und hub an: „Laut Militärgesetz muss ich seine Nachfolge antreten. Und da ich -“ Janeela trat vor und unterbrach ihn: „Ihr irrt Euch, Einark.“ Zum ersten Mal zeigte sich ein Gefühl auf seinem Gesicht: Bestürzte Verwirrung. „Wie meinst du das, Janeela?“
    „Ich habe hier ein Dokument, unterschrieben von Ungraf persönlich, und mit seinem Siegel darunter. Es regelt die Nachfolge der Befehlsgewalt - und er hat sie nicht Euch, sondern mir anvertraut.“ Sie hob das Pergament in die Höhe.
    „Zeig das her!“, rief Einark. Innerlich vor Aufregung zitternd überreichte sie ihm scheinbar gelassen den Zettel. Einarks Blick fuhr fahrig über das Papier und mit jedem Wort schaute er ungläubiger. Doch er sagte nichts. Einen Moment lang schlug er die Hand vor die Augen, um die Fassung zu bewahren und schluckte hörbar. Dann nahm er die Hand wieder weg, atmete einmal tief durch und erklärte in säuerlichem Ton: „Ich muss mich dem Wunsch Ungrafs beugen, und auch, wenn ich nicht weiß, wann er diesen Schrieb verfasst haben soll, und warum niemand bis heute etwas davon wusste, muss ich seinen Inhalt wohl akzeptieren.“ Er beugte sein Haupt vor der Halbelfe: „Frau Kommandantin.“
    Um sie herum machten die Männer ihrer Erleichterung Luft, und gute Wünsche hallten durch das Lager. Aber in all dem Lärm hörte sie dank ihrer elfischen Sinne genau, wie Einark neben ihr im Selbstgespräch knirschte: „Damit kommst du nicht durch, du kleines Miststück!“
    Mit Beklemmung im Nacken entschied sie, diesen Satz sehr ernst zu nehmen und fortan vor Einark auf der Hut zu sein.
    Obwohl die Männer vermutlich eine Rede erwarteten, wie sie auch Khar damals bei seiner Amtseinführung gehalten hatte, hob sie nur kurz die Hand und verkündete: „Ich werde mein Bestes geben, und ich hoffe, euer Vertrauen niemals zu enttäuschen - so wie ich weiß, dass ihr mich niemals enttäuschen werdet!“
    In der Menge erblickte sie Ludgar, der sie fest anschaute und ein Nicken andeutete. Er hatte also ihre Anspielung verstanden.
    Die erste Amtshandlung der Elfe bestand darin, ein angemessenes Begräbnis anzuordnen. Die letzte Erinnerung der Männer an den großen Zauberer sollte nicht sein Wahnzustand sein.
    Zu diesem Zweck befahl sie, das Lager stärker zu befestigen. Da sie sich nicht darauf verlassen wollte, dass die Orks von ihnen genauso wenig wussten, wo sie sich aufhielten, wie umgekehrt, verschärfte sie die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des Lagers, indem sie die Anzahl der Feuerstellen verdoppelte und die Anzahl der Nachtwachen erhöhte. Um die Männer jedoch nicht zu dem Gedanken zu verleiten, dass sie sich hier dauerhaft einrichten müssten, ließ sie keinen Zweifel daran, dass sie gedachte, hier höchstens drei bis vier Tage zu verweilen. Keiner widersprach.
    Die Männer waren sogar froh, dass sie nach all der anstrengenden Reiterei einmal dazu kamen, die müden Glieder zu bewegen und sich endlich einmal mit etwas anderem zu beschäftigen als reiten, essen, schlafen in ewig gleichem Rhythmus.

    Bereits am nächsten Abend erschien Rauhwulf mit besorgter Miene in Janeelas Zelt. „Wir müssen reden.“, eröffnete der Krieger. Sie wich aus: „Nicht jetzt, ich habe zu tun.“, und fing an, etwas an ihrer Ausrüstung zu nesteln. „Ich denke doch, dass du diese Zeit opfern solltest. Deine Gürtelschnalle ist sauber genug. Was ich dir zu sagen habe, duldet keinen Aufschub.“ Sein Tonfall deutete nicht gerade auf die Einleitung zu einem Beziehungsgespräch hin. Er klang eher militärisch, und so wandte sie sich ihm doch zu. „Was gibt es?“ bemühte sie sich um einen ebensolchen soldatischen Ton.
    „Einark schmiedet Pläne gegen dich. Er verbreitet das Gerücht, dass du Ungraf ermordet haben sollst.“
    Janeela Venka Fayah Sheamus Indeenay Viviel Yaneela Ianeela Hownie - nur Lim/Alb

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