Ohne Titel
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Thema: Ohne Titel

  1. #1
    Mitglied Avatar von Lilliana
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    Sep 2006
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    Waldläuferin

    Standard Ohne Titel

    Der Abend war kühl und verhieß ein schweres Unwetter. Dicke dunkle Wolken zogen von Osten her auf und stahlen der Welt auch noch die letzten Sonnenstrahlen. Die Luft war erfüllt von der aufkommenden Feuchtigkeit und von dem Rauch der Feuer des Krieges die überall in Emain brannten. Midgarth und Albion waren gekommen und führten ihre Heere in den Krieg gegeneinander und vor allem gegen Hibernia. Doch all das war lange her. Der Krieg dauerte schon lange an. Warum Krieg zwischen den Reichen herrschte vermochten nicht einmal mehr die Alten zu sagen. Es gab immer einen Grund um die Feuer des Zornes neu zu schüren und blutige Schlachten auszufechten, in jenen Feinde und Freunde gleichsam ihr Ende nahmen. Nur der Tod war der ewige Gewinner jeder Schlacht und er schrieb seine Macht mit blutroten Buchstaben auf jedem der Schlachtfelder nieder. Kämpfer aller Reiche zogen aus um Ruhm und Ehre zu erlangen. Kinder träumten davon einst große Kämpfer zu werden um ihrem Reich zu dienen und als ruhmreiche Krieger kehrten sie zurück, auf Bahren, die Körper manchmal kaum noch zu erkennen. Und mit jedem Gefallenen wuchs der Zorn in den Augen der Angehörigen. Immer mehr fanden sich um fortzuführen was vor Generationen begonnen hatte. Die Dunklen Zeiten von Camelot waren für alle dunkle Zeiten. Und dunkle Gedanken wahren in jedermann.

    Die kleine Gestalt einer Lurikeen sass auf einer Brücke irgendwo in Emain Macha und sah schweigend dem Wellenspiel der Steine zu, welche die Gischt des sonst so stillen Flusses aufpeitschen ließ. Sie sah wie die Wellen wogten und vom Steine aus nach außen immer kleiner wurden. In Gedanken sah sie jene Gesichter im Fluss. Gesichter von Freunden die im Kampfe gefallen waren, Gesichter von Feinden die durch den Stahl in ihrer Hand den Tod fanden. Der aufkommende Sturm blies ihr die Kapuze ihres Umhangs vom Kopf und ließ ihr das feuerrote schulterlange Haar in das Gesicht und um ihre Spitzen Ohren wehen. Wie Flammen eines Feuers hoben sich ihre Strähnen von der sonst so dunklen Kleidung ab. Das letzte Bild im Fluss, war das einer geliebten Person. Die Lurikeen atmete tief durch um die Traurigkeit zu verscheuchen die sie fühlte und warf weiter Steine in den Fluss unter der Brücke. Sie wusste wohl in welcher Gefahr sie schwebte. Sie war auf den Schlachtfeldern und jederzeit konnte sich der Feind ihrer bemächtigen und wieder würde Blut den durstigen Boden tränken.

    Viele Schlachten hatte sie erlebt und jene die sie kannten, wussten wie verbissen sie kämpfen konnte, wenn sie wollte. Doch an diesem Tage wollte sie nicht mehr kämpfen. Das schartige Zweihandschwert auf ihrem Rücken sollte nur einem Zweck dienen. Sie wollte den Göttern nicht wie eine Magd entgegentreten. Sie hatte nicht so viele Schlachten geführt um ehrlos im Bett zu sterben, wie es jene alten Greise taten, die wie sie keinen Krieg mehr führen wollten oder der Feigheit einheim gefallen waren.

    Sie erinnerte sich wie sie einst von zu Hause wegging um Fianna zu werden, wie sie ihrer Ausbilderin Riofach entgegentrat und wie diese Keltenfrau sie auslachte, als sie um Lehre bat. Damals hatte niemand ihr zugetraut, dass aus ihr jemals etwas werden könnte. Und nicht selten war sie Mittelpunkt des Spottes gewesen, als sie ihre ersten Erfahrungen auf dem Schlachtfeld sammelte. Doch jene Feinde, die ihr mit Spott in den Augen gegenübertraten, lachen heute nicht mehr. Viele fanden durch ihre Klinge den Tod, aber auch sie hatte den dunklen Mann mit der Sense oft gesehen. Wenn er sich an sie heranschlich um zu sehen ob noch genug Kraft in ihr war um sich ihm nochmals zu widersetzen.

    Doch nun war ihr Kampfgeist erloschen. Sie sah jene fallen die sie liebte, und sich selbst sah sie leben. Sie wusste nicht was sie mehr schmerzte, dass der Tod ihre Freunde nahm wie es ihm beliebte oder das sie jedes Mal in Trauer zurückblieb. Sie schüttelte den Kopf bei dem Gedanken, nein… eine Heldin war sie nicht. Auch wenn ihr so manche Auszeichnung zu Teil wurde. Damals hatte sie für das gekämpft was sie liebte Hibernia, ihr grünes Reich dessen Bäume jenseits jeden Alters waren, für ihre Freunde, von denen Heute niemand mehr lebt. Alleine war sie von den letzen Schlachten um Dun Alienne zurückgekehrt. Mit nur leichten Verletzungen ließen sie die Krieger Midgarths abziehen. Doch als sie zurückgekehrt war, um ein wenig Ruhe und Freude zu finden, fand sie nur noch Stille und Bäume die sie anschwiegen. Keine Seele war mehr hier die sie kannte und in fremden Gesichtern sah sie den Spott mit dem sie sie beäugten. Eine Träne glitt von ihrer Wange und füllte den Fluss zu ihren Füssen, ebenso wie die Tropfen die vom Himmel fielen. Das Unwetter das langsam begann um sie zu toben störte sie nicht, auch wenn sie jeder der kräftigen Donnerschläge zusammenzucken ließ. Ihre Haare hingen ihr in Nassen Fetzen im Gesicht, doch auch das veranlasste sie nicht zu gehen. Wieder grub sie in dunklen Erinnerungen um Antworten zu suchen, die es nicht gab. Lange hatte sie es damals nicht ausgehalten und schon am Tage nach ihrer Heimkehr wollte sie wieder zu den Verteidigern Hibernias stoßen um ihr Heil im Siege oder Tode zu finden. Sie sprach mit vielen der Leiter von kleinen Schlachtgruppen, doch niemand wollte sie aufnehmen. Einer, ein großer kräftiger Firbolg, hatte sogar über sie gelacht als sie ihn fragte. Sie hatte sich schnell von ihm abgewannt um ihm nicht zu zeigen, wie sehr er sie verletzt hatte, ihren Stolz. Doch was war schon Stolz.

    Ein trauriges lächeln umspielte ihre Züge. Sie hatte nichts mehr worum es sich zu kämpfen lohnte, der Krieg hatte ihr alles genommen. Sie hielt ihre Tränen nun nicht mehr zurück, wer mochte schon sehen das sie weinte in diesem Sturm. Der Regen würde sein übriges tun um ihre Schwäche zu verstecken, auch das wusste sie. Lange Tage war sie damals noch in der Grenzfeste gesessen, doch niemand mochte mit einer schmächtigen Fianna wie ihr in den Kampf ziehen. Da hatte sie beschlossen zu gehen, sie würde einfach ihren Füssen folgen und dem gnädigen Tod ins Gesicht sehen. Einsam lief sie das Tal von Brileith entlang um zur Grenzfestung Druim Cain zu gelangen und von da aus hinaus in die Front zu laufen. Die Ebenen um den Mount Collory hatte sie bald durchwandert und Brefine tat sich vor ihr auf. Fast hätte sie dort ihr Ziel erreicht. Sie traf auf eine Gruppe feindlicher Bretonen, welche von einem erfahrenen und kräftigen Highländer geführt wurden. Sie zog ihr Schwert. Doch sie sahen sie nur fragend an. Sie hatten die Lurikeen erkannt, doch auch das sie keine Gefahr darstellte. So zog der Kriegstrupp weiter und würdigte sie keines Blickes. Sie warf wieder einen Stein in den Fluss. Selbst der Feind schien nicht viel in ihr zu sehen. So gelangte sie nach einigen Tagen zu der Brücke, an der sie nun immer noch saß und versank weiter in schmerzenden Gedanken.

    Den Schatten der sich ihr von hinten näherte, hatte sie nicht bemerkt. Zu tief war sie in bitteren Erinnerungen versunken. Doch blitzartig kam ihr alter Instinkt zurück, als ein Dolch ihren Nacken nur knapp verfehlte und die Kämpferin in ihr rührte sich wieder. Sie sprang auf riss sich ihr Schwert vom Rücken und hielt es dem jungen Infiltrator unter die Nase. Seinem nächsten Schlag konnte sie ausweichen und setzte ihrerseits zu einer Attacke an. Wenn sie hier schon sterben sollte, dann nur im Kampfe. Ein weiterer Dolchstoss durchbrach ihre Plattenrüstung am Bauch und hinterließ eine blutende schmerzende Wunde. Doch ihr Schlag mit dem Zweihandschwert wurde in seiner Ausführung nicht mehr gestört und ihr Gegner sackte schwer getroffen zusammen. Sie sah in seine überraschten Augen während sie ihm die Spitze ihrer Klinge an den Hals hielt. Sie sah wie er sich bereit machte zu sterben, wie er ein letztes mal zu seinem Gott betete. Kein Flehen, kein Betteln kam über seine Lippen. Ein mutiger und stolzer Mann, dachte sie. Ihre Hände begannen zu zittern, wegen ihrer Verletzung und auch das Gift des Infiltrators begann zu wirken. Doch sie hatte noch genug Kraft den Stoss auszuführen. Nur tat sie es nicht. Sie wies ihm mit einer Geste zu gehen und er tat es, ohne ein Wort. Er hüllte sich wieder in Schatten und war verschwunden. Zurück blieb sie wieder allein. Ihre Wunde Schmerzte und das Gift breitete sich in ihrem Blut aus. So setzte sie sich wieder auf den Rand der Brücke, warf einen Stein in den Fluss und blickte in weite Ferne. Stein um Stein fiel in den Fluss der wegen des starken Regens zu einer reißenden Flut angeschwollen war. Bilder taten sich in ihren Gedanken auf um weitere Wunden in ihre geschundene Seele zu reißen. Ihre Eingebungen wuchsen und gewannen Realität. Das freundliche Gesicht eines Firbolgs tat sich vor ihr auf. Seine mächtige Hand lud sie ein ihm zu folgen. Zu gerne wäre sie gegangen, war er doch ihr treuester Gefährte. Sie sah seine großen treuen Augen und sein gütiges, würdevolles Gesicht. Die Lurikeen hob zögernd ihre Hand und hielt sie ihm entgegen. Doch das Bild verschwamm und wurde wieder eins mit dem Wasser. Flehentlich sah sie jener Erinnerung nach bis sie spürte dass, sein geliebter Blick von ihr wich. Und das Gefühl der Einsamkeit und der Kälte sie aus ihren Gedanken riss. Ihre Verletzung schmerze mit einem mal, als würden glühende Haken durch ihren Bauch gestoßen. Und auch die Realität verschwamm vor ihren Augen. Schwer Atmend ließ die kleine Lurikeen sich auf die Brüstung der Brücke sinken. Blut ronn aus ihrem Mund und suchte sich seinen Weg zurück in den Ursprung von allem, zurück in das Wasser des Flusses. Lange Zeit lag sie dort reglos. Wartend auf den Tod mit der Gewissheit jenen zu folgen die ihr vorausgeeilt waren. Die wohlige Dunkelheit die sie empfng, sie in den Arm nahm wie die Mutter ihre Tochter, war das einzigste was sie warnahm. Bis sie Schlachtenlärm wieder in die Gegenwart zurückholte. Ein mächtiger Krieger Midgrardts war an sie herangetreten und gab ihr, wie es der Brauch der Wikinger war, die Chance sich zu verteidigen. So hob sie ein letztes mal die Klinge, ehe sich der Fluss unter der Brücke mit ihrem Blut füllte…



    Der Ursprüngliche Titel dieser Geschichte war eigentlich "Abschied", doch nach einem Jahr Daoc-Abstinenz spiele ich nun doch wieder, und habe nun auch (nunja wie nennt man es, den Mut? ) gefunden dem ein oder anderen hier, mit der Kurzgeschichte meiner kleinen Fianna auf Dartmoor, ein wenig Lesestoff zu bieten! Ich poste das ganze hier, da ich nun den Server Avalon, bzw. den Limors-Cluster mein Zuhause nenne!

    Ich hoffe es hat dem ein oder anderen auch ein wenig gefallen!


    Grüsse

    Lilliana
    Geändert von Lilliana (29.01.07 um 18:49 Uhr)

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