Die Seelenlose
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Thema: Die Seelenlose

  1. #1

    Standard Die Seelenlose

    Ich war noch sehr jung, als ich Buffsmittitten zum ersten Mal begegnete. Sie schien kaum älter als ich zu sein und stand apathisch mitten auf einer Wiese in Cornwall. Nicht weit von ihr verrichtete ein Nekromant sein unheiliges Werk. Angeekelt wendete ich den Blick von ihm ab und beobachtete die junge Klerikerin. Vielleicht konnte ich mir von ihr etwas abschauen?
    Doch Buffsmittitten stand nur ungerührt da und bewegte sich nicht.

    Eine Weile später wurde ich des Schauens überdrüssig und wollte mich gerade umdrehen um zu gehen, als ich das magische Zeichen entdeckte, welches den Bewohnern Albions zeigt, dass ein Kämpfer an Erfahrung gewonnen hat. Es umspielte Buffmittittens Füße - obwohl sie doch gar nichts getan hatte!
    Misstrauisch beobachtete ich den Nekromanten. Ob er dafür verantwortlich war? Er schien ein mächtiger Kerl zu sein, so selbstverständlich, wie er einen Skelettlegionär nach dem anderen zerfetzte. Hätte ich das gleiche versucht - sie hätten vermutlich Hackfleisch aus mir gemacht.

    Doch der Nekromant drehte sich nicht einmal um. Unbeirrt und unaufhaltsam arbeitete er sich die ganze Straße zu der unheimlichen verlassenen Villa entlang, vor der man mich in der Station so eindringlich gewarnt hatte.

    Um nicht als Gaffer zu gelten, suchte ich mir einige Monster aus, die ich auch als Heilklerikerin gefahrlos angreifen könnte. Ein paar Cornwallhennen erschienen mir durchaus geeignet, doch die garstigen Biester rotteten sich nur allzu schnell um mich und hackten gemeinsam auf mich ein, bis mir schwarz vor Augen wurde. Als ich wieder zu mir kam, lag ich am Boden und die Hühner beäugten mich mit triumphierendem Gackern.

    Ich konzentrierte mich auf einen magischen Hilferuf, wie er allen Bewohnern Albions in die Wiege gelegt ist: "Buffsmittitten", sendete ich. "Kannst du mich bitte wiederbeleben?". Doch Buffsmittitten reagierte nicht. Sie stand einfach nur da und glotzte mich stumpfsinnig an. Ich fing gerade an, mich über ihr absonderliches Verhalten zu ärgern, als plötzlich der Nekromant an ihrer Stelle antwortete. "Mom", sendete er. "Ich rezz gleich."
    Meine Verwunderung steigerte sich zu Verwirrung. Ein Nekromant, der Lebende wiederbeleben könnte? Ich begann zu fürchten, dass ich als eine seiner willenlosen Scheußlichkeiten zurückkehren müsste. Doch dann begann Buffsmittitten den Wiedererweckungszauber und nur Sekunden später umhüllten mich tanzende Funken. Ich stand wieder auf den Beinen. Sie war wohl nur in Gedanken versunken gewesen. "Ich danke dir!", platzte ich heraus und umarmte sie spontan. Doch ihre Augen starrten an mir vorbei ins Leere. "np", antwortete der Nekromant, was mich neuerlich in Verwirrung stürzte.

    Was ist sie nur für ein sonderbares Geschöpf, dachte ich bei mir, während ich mich auf den Weg zurück in die Zivilisation machte. Eventuell wusste ja jemand in der Cornwall-Station darüber bescheid?

    Doch die Damen und Herren dort waren ungesprächig wie immer. Statt mir Rede und Antwort zu stehen, ratterten sie nur ihre Warenangebote herunter. Ich begutachtete die Auswahl an Hölzern, Pfeilen und Stoffen, kam zu dem Schluss, dass es sich größtenteils um Jahre alte Ladenhüter handelte, die hier ungebraucht vor sich hin verschimmelten und verließ die Station.
    Vom Stalljungen bekam ich zum vierhundertachtunfünfzigsten Male erklärt, dass er Dunterköpfe suche (ich glaube, der Kerl ist als Kind mal auf den seinen gefallen). Ich fragte ihn zum vierhundertachtundfünfzigsten Male, wofür im Namen Arthurs er denn all diese stinkenden Köpfe brauche - und wo er sie aufbewahre - und er antwortete mir wie ein Nachtgebet zum vierhundertneunundfünfzigsten Male...Diese primitive Station war wirklich der Beweis, dass es gute Gründe dafür gibt, warum Inzest verboten ist.
    Genervt schwang ich mich auf den Rücken eines Mietgaules und ritt gen Camelot.
    Bestimmt konnte man mir in der Heiligen Kirche Albions ein paar Antworten geben. Nicht umsonst tummeln sich dort die weisesten der Weisen und die gelehrtesten Gelehrten.

    Nach einem schier endlosen Ritt, nach dem mir mein Allerwertester auf eine Art und Weise schmerzte, die in mir Erstaunen darüber weckte, an was für ulkigen Stellen sich Muskeln befinden können, erreichte ich die prächtigen Stadttore.
    Doch auch in Camelot - ich kürze es an dieser Stelle ab - fand sich niemand, der mir Auskunft geben mochte. Wenn es nicht einmal hier Antworten auf meine Fragen gab, dann sicher nirgendwo. Ich gab es auf und setzte stattdessen meine eigenen Reisen fort, steigerte mein eigenes Können und dachte lange Zeit nicht mehr an Buffsmittitten. Bis ich ihr eines Tages wieder begegnete.

    Es war in Emain, ich war just mit den Nachschubtruppen ins Feindgebiet teleportiert worden, als ich am Ausgang unserer Portalfestung beinahe in sie hinein gerannt wäre.
    Sie stand mit dem Gesicht zur Wand und zeigte keine Regung.
    "Ach, du bist es, schön dich mal wieder zu sehen", grüßte ich sie. Sie antwortete nicht. "Erinnerst du dich nicht an mich? Damals, in Cornwall? Es ist lange her, ich weiß. Du hast mich vom Tode wieder erweckt. Da war doch dieser Nekromant bei dir - leider weiß ich seinen Namen nicht mehr."
    "Spam ma hier nit den Mainchat voll", grunzte ein narbengesichtiger Waffenmeister hinter mir. Erschrocken drehte ich mich um und machte erst einmal einen Knicks. "Verzeihung", hörte ich mich flüstern. Der Mann war mir sofort unsympathisch, und nicht nur wegen seiner Narbe.
    "RPG-Freak oder was?", schnappte er. "Äh.", brachte ich hervor. Ich wusste nicht genau, was er meinte und deshalb deutete ich verlegen auf Buffsmittitten. "Eigentlich nicht", gab ich zurück. "Ich habe nur gerade eine alte Freundin getroffen." Der Waffenmeister musterte mich mit einem geringschätzigen Blick. "lol", sagte er. "verzieh dich von meinem BB, der is sowieso ooc." Ich warf einen raschen Blick zu Buffsmittitten, die immer noch stupide auf die Wand starrte. "Kennt ihr euch?", fragte ich verwundert.
    Der Waffenmeister lachte höhnisch. "echt lolig. und nun verschwinde. bist doch selber Kleri oda? dann kannste dich auch selber buffen!".

    Ich winkte Buffsmittitten zum Abschied und wendete mich wichtigeren Dingen zu.

    Seit sich die Lande verändert haben, sehe ich sie oft. Sie steht tagein tagaus an der Wand von Castle Sauvage. Sie dreht sich nie um, schaut nicht ein einziges Mal dem Trubel auf dem Sammelplatz vor dem Tor zu. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass sie eine Art Sklavin sein muss. Ausgerechnet eine Sklavin in unserem Königreich, in dem Arthur einst sagte, dass ein jeder dem anderen gleichgestellt ist. In einem Reich, dessen Symbol die Tafelrunde ist, an der es kein Kopf- und kein Fußende gibt, um niemanden über oder unter andere zu stellen. Und doch ist es so. Buffsmittitten ist auch nicht allein mit ihrem traurigen Schicksal. Ich glaube sogar, es werden jeden Tag mehr. Sie stehen einfach nur da, unbewegt und stumm. Seelenlos.

    Doch am schrecklichsten ist es, wenn ich gute alte Freunde eine Zeitlang aus den Augen verliere - Kleriker und Klerikerinnen, die sich tapfer im Kampf bewährten, manche von ihnen sogar an meiner Seite.
    Und eines Tages sehe ich sie dann auch an jenen Wänden in Sauvage stehen. Sie grüßen nicht mehr, sie lächeln nicht, kein freundliches Wort, keine Geste, nicht einmal ein kleines Funkeln im Blick, das Erkennen signalisieren könnte. Sie sind wie tot, leere Hüllen, die nur noch existieren, um anderen zu dienen. Dann beginne ich mich zu fragen, ob mich eines Tages das gleiche Schicksal trifft. Ich könnte es nicht ertragen.
    Janeela Venka Fayah Sheamus Indeenay Viviel Yaneela Ianeela Hownie - nur Lim/Alb

  2. #2
    Mitglied Avatar von Der_Eisbaer
    Registriert seit
    Aug 2005
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    Schwertmeisterin

    Standard

    Sehr schöne Geschichte. :-)
    "The gender paradox" (norwegisch mit deutschen Untertiteln)

    Audiatur et altera pars
    Etiam si omnes --- ego non!

  3. #3

  4. #4

    Standard

    +seufzt tief+

    ach wiesehr kann ich dich verstehen,weshalb du diese schöne +traurige+geschichte geschrieben hast...ich setze mal etwas altes von mir darunter....ist lange her...aber ich finde es passt heute auch noch..u.a. ein grund weshalb mir daoc auch nimmer sogut gefällt wie damals..in der zeit ohne die seelenlosen geschöpfe...in der zeit ohne bb*s+seufzt +


    +der müde kleriker umarmt seine kollegin, wandert zurück zum allmächtigen und wartet auf den jüngsten tag+


    --------------------------------------------------------------------------
    Die neue Zeit:


    Habe mich nach langer Rast
    heute wieder einmal nach Camelot aufgemacht
    hofte dort zu treffen meinesgleichen
    die edle Zunft des Klerikers des heiligen
    Gralzeichens


    Ich lief dort schnellen Schrittes hin
    war wohl gestimmt und heiteren Sinns
    ein helles Licht den Boden traf
    als ich in unsre schöne Kirche trat


    Es dauerte auch gar nicht lang
    da seh ich schon- der erste Novice schritt heran
    ich grüßte ihn ich sagte: Hallo
    doch aus seinem Munde keine Antwort kam
    und das machte mich nicht froh


    Ein klares Antlitz besaß er zwar
    doch leere augen und so fahl
    schien er sich nichts aus mir zu machen
    und ich dachte bei mir..welch Qual
    hat diesen jungen Novicen so verkümmert
    innerlich zermürbt und vom Lichte weg
    in die Schatten geführt...



    Ein dunkler Schleier legte sich sodann
    auf das was ich meine Seele nannte
    er-der schleier- folterte mich gar
    fragte ich mich doch sosehr
    was mit diesem Land geschah?!


    Ich erinner mich doch so klar
    als ob es gestern war
    da schritten zur jeder Zeit
    Tag ein Tag aus
    frohe und gutmütige Kleriker
    aus Camelot heraus
    keine stummen Gestalten
    eigensinnig und fahl
    nein damals war es anders..
    bevor uns jemand unser heiligstes
    unser Lichte stahl


    Die alte Zeit sie welkt dahin
    findet sich nur noch in wenigen Gestalten
    die ich meine Freunde nenn-
    doch sie-jene schöne Zeit ist alt
    und die neue macht sich breit


    Jene neue Zeit* da...
    die unser heiliges Licht uns stahl


    oh edle Kleriker des ganzen Reiches
    helft mit und kämpft dagegen an-
    bevor ihr alle leidet daran-

    an jedem egoistischen Schattenfluch
    der persöhnlichkeit
    das unser schönes Land zum Untergang befahl....




    Diese neue Zeit ist schlimm
    und ich fühl mich nicht wohl in ihr
    möcht jene alte gute Zeit zurück
    denn in der neuen werd ich nicht mehr froh......




    (02/04)cartesii




    danke dir erneut für diese schöne geschichte janeela..es tut gut zu wissen, dass es außer einem selbst noch leute gibt die die alte zeit ebenso vermissen +seufz+


    lg ein liebhaber der alten zeit

  5. #5

    Standard

    SNÜÜÜÜFF Aber sehr schön geschrieben (beide Texte)
    Geändert von Thaki (06.12.05 um 15:54 Uhr)

  6. #6
    Mitglied
    Registriert seit
    Aug 2005
    Ort
    Kabbalist

    Standard

    ja sehr schön , und leider war
    ...

  7. #7

    Standard

    Ohje wie war das ist und wie schlimm. Das versteh ich zu gut, bin ja selber bb.

    aber,....

    hm... O.o vor mir stehen ja albs *schluck* schnell weg hier *duck*

    lg aus Midgard
    von Vergi ^^

  8. #8

    Standard

    @ Cartesii ... der Novize müßte deiner Meldung und Beschreibung nach Viow gewesen sein ... also müßte man dich an den Geisler stellen damit du Buse tun kannst , weil du dieses Experiment Göttlicher Irritation nicht gleich Gemeldet hast

  9. #9

    Standard

    Hochverehrte Janeela,
    Ich verstehe Deine Verwirrung und auch Deine Angst...
    Diese Seelenlosen Gestalten stehen inzwischen an sovielen Orten herum, dass man meinen könnte, jemand hätte schon lange Zeit daran gearbeitet, alle Kleriker Albions geistig zu versklaven.
    Welchen Zauber oder welche okkulten Praktiken dazu von Nöten sind, ist mir leider nicht bekannt, aber ich bin mir sicher, dass Dir dieses Schicksal erspart werden kann. Bleibe standhaft und stärke Deinen Geist, um im Notfall dem grässlichen Seelenraub widerstehen zu können. Soweit es mir meine bescheidenen Kräfte als Kabbalist erlauben, bin ich jederzeit bereit Dir beizustehen, so wie jedem anderen Angehörigen der Klerikerzunft auch.
    Ich rufe hiermit alle Bewohner Albions auf, die noch reinen Herzens und offenen Verstadndes durch dieses Land ziehen, sich gegen die Seelenräuber zu stellen und standhaft an den alten Werten festzuhalten.
    Gemeinsamkeit macht uns stark und so können wir zumindest versuchen, die schrecklichen Seelenlosen an der weiteren Ausbreitung zu hindern, denn ich befürchte, dass es für eine Rettung dieser armen Geschöpfe inzwischen schon zu spät ist.
    Meine Verehrung
    Elmer
    Kabbalist im Dienste des Klan Cotswold

  10. #10

    Standard

    Wundervoll, du schreibst einfach aus meiner Seele... Jedes kleinste Detail... Details, die so vielen völlig egal sind.
    Avalon Albion
    Hithlum, Zauberer
    Oscaola, Minnesänger
    ...
    Salisbury Hibernia
    Dekado, Champion
    Hithlum, Eldritch
    Glastonbury Albion
    Oscamir, Hexer
    Temair Midgard <aktiv>
    Branosc, Geisterbeschwörer

  11. #11

    Standard

    Die Geschichte hat mir wirklich sehr gut gefallen. Weiter so! :-)

    Lieben Gruß aus Hibernia! (Wo es leider auch nicht anders ist..)
    xx

  12. #12

    Standard

    Schöne Geschichte, wirklich schön .

    Allerdings muss der Kleriker bei der Taufe auch schon an die Wand geschaut haben, wenn er einem solchen Namen seinen Segen gibt.
    MfG

    Luriella Tausendschön - totgepatched und frühverrenteter Waldlyrikeen -
    Luriella Tausendschön - Schurkin - Hobbit auf Beregaer

  13. #13

    Standard

    sehr nett geschrieben...und jedes wort ist wahr
    Zitat Zitat von Tanos Beitrag anzeigen
    Und wir haben gelitten, glaub mir, ein CL Endspiel kann genau so weh tun wie ein Abstieg





    Deutscher Meister 2011+2012
    Borussia Dortmund

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